Ankommen: Heimat und Migration - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Ankommen: Heimat und Migration


Heimat, die ich meine

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Migration, Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - Ein vertrauter Ort bedeutet für viele Zuwanderer die Heimat
Migration Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - Ein gewohnter Platz stellt für viele Migranten und Immigranten Heimat dar


Heimat - das ist ein großer und weiter, von vielem besetzter Begriff; er verweist auf einen Ort der Geborgenheit, der frühen Wurzeln, der Liebe und Verbundenheit mit anderen vielleicht, einen Raum schöner Erinnerungen, - an die unwiederbringliche Kindheit oder an andere Lebensabschnitte unwiederbringlichen Glücks. Dann klingt Heimat wie Heimweh.
In Meyers Großem Taschenlexikon heißt es, die Heimat sei ein "ein geografisches Gebiet, zu dem ein Gefühl besonders enger Verbundenheit bestehe. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist "Heimat" zunächst auf den Ort (auch als Landschaft) bezogen, in den der Mensch hineingeboren wird, wo die frühen Sozialisationserlebnisse stattfinden, die weithin Identität, Charakter, Mentalität und Einstellungen formen." (MGT, S.2965) Die Heimat ist also, ob man es mag oder nicht, prägend; sie ist in uns verortet und wir in ihr.
In einem Filmbeitrag über sein Leben anlässlich seines 80.Geburtstags sagte der Schauspieler Mario Adorf kürzlich: "Heimat ist, wo ich mich zuhause fühle." Angesichts der Tatsache, dass Adorf im Laufe seines Lebens an sehr vielen verschiedenen Orten und in vielen Ländern gelebt hat, ist das eine tröstliche Botschaft: Heimat kann man immer wieder finden, man kann sie sich neu schaffen.
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Autorin: Esther Floruß


Migmag hat Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft gefragt, was für sie "Heimat" bedeutet:

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A. Raudsepp-Fleischer, Grafikerin, geboren in Tallinn, Estland


Heimat ist für mich ...

generell das Land, wo ich geboren und aufgewachsen bin; über dessen Geschichte und Kultur ich mich definiere/identifiziere. Was Heimat für mich ausmacht, kann ich mit einem Vergleich zum Tierreich erklären. Erstens: meine Herde - die Menschen dort, mit denen ich verbunden bin (meine Eltern, Freunde und Verwandten). Zweitens: mein Areal - beginnend mit der Straße, wo ich wohnte und schließlich das ganze Land mit seiner Natur und Klima umfassend.
Heimat, das sind im Gehirn gespeicherte Gerüche, Geräusche, das bestimmte Licht (manchmal spreche ich sogar von "estnischen Sternen" im Himmel, oder es scheint mir, dass die Bäume im Wald irgendwie anders als sonstwo, halt "estnisch" wachsen). Das sind die Umgebung, die Lebewesen, die Dinge, die einem vertraut sind, die Geborgenheit und Halt vermitteln, heimelig sind.
Heimat ist die so genannte "Werkseinstellung", der "Reset-Zustand" - wenn man mit sich selbst irgendwie durcheinander sein sollte, dann  weiß man wenigstens doch immer, wo man hingehört.

   

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Johanna Strömsdörfer, Journalistin, geboren in Traunstein, Deutschland

Heimat bedeutet für mich ...

Als Heimat betrachte ich nicht einen Ort wie z. B. meine Geburtsstadt, sondern eher die Beziehung zu einem Menschen. Als Kind fühlte ich mich bei meiner lieben, lebensbejahenden Großmutter geborgen. Ihr riesiger Garten erschien mir als Paradies, in dem meine Schwestern und ich nach Herzenslust herumtoben konnten. Im Sommer bogen sich Büsche und Bäume unter der verlockenden Last von Beeren und Früchten aller Art, in den Beeten reiften sämtliche Gemüsesorten heran. So waren die Sommermonate ein Fest für uns alle, keine Spur von Mangel, obwohl die Nachkriegszeit viele Probleme bescherte.
Als Erwachsene lebte ich in Norddeutschland und dachte, dort eine Heimat gefunden zu haben. Erst nach dem Tod meines Mannes begriff ich, dass er meine "Heimat" gewesen war. Heute versuche ich, mir selbst Heimat zu sein und mich überall dort, wo ich gerade bin, zuhause zu fühlen.


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Anja Philipp, Technische Zeichnerin, geboren in Riesa, Deutschland

Heimat bedeutet für mich ...

… sich wohl zu fühlen, wo man lebt und arbeitet. Allerdings ist dieses meine zweite Heimat. Denn mein Geburtsort Riesa wird immer meine "Heimatstadt" bleiben. Da bin ich aufgewachsen bis ich mit 19 Jahren über Prag geflüchtet bin. Nun lebe ich seit 8 Jahren in Heidenheim an der Brenz und die 13 Jahre zuvor im Ostalbkreis und kann behaupten, dass dies hier meine zweite Heimat geworden ist.

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Stefanie Bürger, Sportlehrerin, Sporttherapeutin und Qigong-Lehrerin, geboren in Hamburg, Deutschland

Heimat bedeutet für mich ...

Damals, meine ersten Zugfahrten innerhalb der Schweiz; ich fühlte mich wie beim Betrachten einer Postkarte: Es ist so "schön", da kann man doch nicht drin leben. Zu sauber, zu herzig, zu "ussepützlet", herausgeputzt. Die Schweizer, ein Volk von Berglern. So scheint es, wenn man am Sonntagfrüh am Hauptbahnhof von Zürich den Zug nimmt. Die Bahn ist übervoll. Doch nach einer Stunde steigen die ersten aus, sind mittendrin in ihrem Postkartenland.

Meine Schweiz ist die raue Schweiz, die schroffen Täler, die "erdgerutschten" Hänge, die Gebirgsbäche, die nach der Schneeschmelze überquellen. Meine Schweiz, meine Heimat ist die Frühlings, -Sommer - und Herbst-Schweiz, wenn die Erde sichtbar ist, wenn man auf ihr laufen kann, wenn es sprießt und blüht in den verschiedensten Farben und Gerüchen. Meine Heimat sind satte Wiesen und der Blick auf das Stückchen freien Himmel über dem Pass in das nächste Tal, auf die kleinen braunen Holzhütten, die die Walser gebaut haben aus runden Stämmen.

Meine Heimat ist dort oben beim Gebirgsbach und meinem Holzhaus, in dem ich im Winter sogar Besuch habe von Robert, dem Hirsch.
Vielleicht kann Heimat oder ein Gefühl von Heimat nur da sein, von mir gespürt werden, wenn und wo es mir  gut geht, wenn ich ruhig bin und im Frieden mit mir selbst.


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Sozialpädagogin, Lehrerin, geboren in Tscherkassy, Ukraine

Heimat bedeutet für mich ...

... angenehme Gefühle, die mit meiner Familie, Festen und Kultur verbunden sind; die Erinnerung an eineglückliche Kindheit und Jugendzeit, unvergessliche schöne Studienzeit, "erste Schritte" in der Arbeitswelt, positive Erfahrungen in meinem Berufsleben.

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Patricia Keesman, Dipl. Psychologin, geboren in New York, USA

Heimat bedeutet für mich ...

"Heimat" hat am ehesten mit etwas "Vertrautem" zu tun. Die Frage nach dem Wesen ist für mich sehr schwierig, da ich das Gefühl von Heimat nie wirklich kennen gelernt habe und nicht fühle. Ich suche eher in mir oder zu mir heimatliche Gefühle, aber nicht so sehr zu einem Land. "Heimat" hat am ehesten mit etwas "Vertrautem" zu tun, mit etwas, das ich kenne: der Geruch nach einem Regenerguss, Lichtveränderung in den Jahreszeiten, Herbsstimmung.
Ich möchte mich zugehörig fühlen zu einem bestimmten Menschen, die Gewissheit, es wartet jemand auf mich, der mich liebt, bedeutet Heimat oder Heimkommen. Zugehörigkeit zu bestimmten Menschengruppen kann das Gefühl der Heimat auslösen, mich geborgen fühlen, sicher und frei zugleich. Frei sein, Ideen und Wünsche zu verwirklichen, Respekt und Toleranz zu fühlen, dem Dasein gegenüber. Und das zu essen und zu trinken, was das Land hergibt. Eine vertraute Umgebung und Gerüche, wie die Kuhfladen auf dem Land sowie die ländlichen Spezialitäten zu genießen, das löst in mir Gefühle aus, die Heimat bedeuten.
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Christine Hartel, Polizeibeamtin, geboren in Konstanz, Deutschland

Heimat ist für mich ...

nicht die Stadt, in der ich geboren wurde, sondern München und das "blaue", oberbayerische Alpenvorland, das seit 35 Jahren meine liebgewonnene Heimat ist. Hierher komme ich immer wieder gerne "nach Hause" zurück. Es macht mich sehr glücklich in dieser wunderschönen Region leben zu dürfen.

Wenn ich gemütlich durch die Innenstadt an der Theatinerkirche vorbeiflaniere, denke ich mir, was für eine besondere Stadt das doch ist. Sie strahlt in meinen Augen eine warme, gemütliche Herzlichkeit aus. Einerseits gibt es ganz ruhige, naturbelassene Ecken, wie im Nymphenburger Schlosspark. Und dann gibt es genauso viel kunterbuntes Treiben in der Innenstadt, wenn an den lauen Sommerabenden die Menschen vor den Cafés und Restaurants sitzen und genießen.


Und das gleiche Glücksgefühl überkommt mich an den Wochenenden, wenn ich von der Autobahn in Richtung Staffelsee abfahre. Ringsherum saftig grüne Kuhweiden, schneebedeckte Berge und türkisfarbene Seen breiten sich aus und die unverwechselbare Landluft steigt in meine Nase. Ganz egal, ob ich mit dem Wanderstock, auf dem Mountainbike oder im Schlauchboot dort unterwegs bin, dieses vertraute Gefühl "daheim" zu sein, ist für mich Heimat. “

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Benjamin Angus, Student, geboren in Heidenheim, Deutschland

Heimat bedeutet für mich ...

Eigentlich kann fast alles Heimat sein. Heimat ist für mich nicht unbedingt ein konkreter Ort, vielmehr ist sie ein emotionaler Zustand, der eintritt, wenn ich mich wohl fühle und von ähnlichdenkenden Menschen umgeben bin. Wenn ich zum Beispiel einen Text lese, der in einem anderen Land, zu einer ganz anderen Zeit, entstanden ist, und mit dem ich mich identifizieren kann. Heimat kann aber auch ortsgebunden sein. In vielen Städten gibt es Plätze, die ich gerne mag, die ich mit bestimmten positiven Ereignissen verbinde. Manchmal reicht aber auch einfach nur ein Geruch oder ein Baum. Eigentlich kann fast alles Heimat sein.

Ich bin zur Hälfte Engländer, habe aber nicht so einen starken Bezug zum Herkunftsland meines Vaters wie zu Deutschland, in dem ich geboren bin. Ich mag die Menschen, den Humor, die Sprache und die englische Kultur, sehe mich aber nicht als einen wirklichen Teil von ihr. Ich denke, man kann sich solch eine zweite Heimat langfristig aufbauen, sie ist auch in einem selbst angelegt, aber man muss sie auch hegen und pflegen.

Fremdheit herrscht für mich dort, wo kein Platz ist, das Klima kühl, bewegungslos und starr ist. Eine Beschreibung dieser Nicht-Heimat findet sich in Franz Kafkas Romanfragment "Das Schloss". Hier verlässt der Landvermesser K. seine alte Heimat, um in fremder Umgebung eine neue Tätigkeit zu suchen. Trotz hartnäckigster Bemühungen gelingt es ihm jedoch nicht, in das Schloss vorzudringen. Die Bewohner des Dorfes und seine Beamten lehnen ihn ab, er bleibt ein Fremder in der Fremde.

Foto: ©Benjamin Angus

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Birgite G., geboren in Neresheim, Deutschland

Heimat bedeutet für mich ...

Heimat ist ein Wort, das für vieles steht. "Wohlfühlort" ist da ein wichtiger Begriff. Dieser kann in der klassischen Herkunftsheimat liegen, aber auch woanders. Dann gilt es noch, Orte und Menschen zu unterscheiden. Es gibt Orte, die einem gleichgültig sind, aber dort gibt es vielleicht Menschen, die einem etwas bedeuten und schon wird der Ort zum Wohlfühlort und heimatlich. Das gleiche gilt auch für Orte, wo kein für einen bedeutsamer Mensch lebt, die sich aber sonst gut anfühlen. Ist das dann auch Heimat? Ich denke, im weitesten Sinne schon.
Komisch ist auch, dass man sich mit "Unheimatlichem", also Neuem oder Fremdem, nach einer Weile heimisch fühlen kann. Das zeigt, dass Heimat auch viel mit Gewohnheit zu tun hat.
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Christine Becker, Rentnerin, geboren in Jena, Deutschland

Heimat bedeutet für mich ...


"Heimat ist einmalig".
Ich denke beim Begriff Heimat an die Düfte, die Vertrautheit, die Familie, den Zu-sammenhalt, Freunde, die erste Liebe - eine gute und auch schlechte Zeit, Kindheitserinnerungen, Ratschläge der Älteren annehmen. Auch wenn man woanders lebt und es einem gut geht, ist die Heimat einmalig.



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Dorothee Perrine, Leiterin Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement "Ich für uns", geboren in Speyer, Deutschland

Heimat bedeutet für mich ...
"Heimat entsteht dort, wo ich mich engagiere!"
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Uns interessiert Ihre ganz persönliche Definition von "Heimat". Schreiben Sie uns doch auch einen Kommentar dazu!




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