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Buchtipps der migmag-Redaktion zum Thema Migration und Kultur
Migration, Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund

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Buchtipp: Folter - Die Alltäglichkeit des Unfassbaren

Folter
Die Alltäglichkeit des Unfassbaren
von Manfred Nowak

Als Sonderberichterstatter über Folter der Vereinten Nationen hat der renommierte Menschenrechtsexperte Manfred Nowak in den Jahren 2004 bis 2010 die Folterpraktiken und Haftbedingungen weltweit untersucht. Unter dem Schutz der UNO war es ihm möglich, die Haftstätten mit seinem Team unangekündigt und unbeobachtet zu inspizieren, vertrauliche Gespräche mit Häftlingen zu führen und die Spuren der Folter zu dokumentieren. In mehr als 90 Prozent aller Staaten kommt Folter vor, in der überwiegenden Mehrheit wird sie routinemäßig von der Polizei zur Erpressung von Geständnissen oder Informationen verwendet. In ihrem Krieg gegen den Terror hat die Bush-Regierung sogar versucht, die Folter als notwendiges Instrument zur Wahrheitsfindung wieder zu legitimieren. In seinem Buch berichtet Manfred Nowak, wie man Folter erkennt, von seiner Arbeit, den Methoden zur Untersuchung der Folter und den damit verbundenen Schwierigkeiten, über die Folter und ihre Ursachen, über konkrete Erfahrungen in vielen Ländern, über die einfache Möglichkeit, Folter bei entsprechendem politischen Willen wirklich abzuschaffen. Die Zeit übertitelte ein Porträt Manfred Nowaks mit Ein Mann, der leuchtet er bringt Licht in ein düsteres Kapitel unserer Zeit. Und er schafft Öffentlichkeit für ein Thema, bei dem viele am liebsten wegsehen.

Manfred Nowak ist Professor für internationales Recht und Menschenrechte an der Universität Wien sowie Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte in Wien. Zwischen 1993 und 2006 hatte er verschiedene Funktionen als UNO-Experte für erzwungenes Verschwindenlassen inne; von 1996 bis 2003 war er einer von acht internationalen Richtern an der Menschenrechtskammer für Bosnien und Herzegowina in Sarajevo; und zwischen 2004 und 2010 übte er das Mandat des UNO-Sonderberichterstatters über Folter aus.


Folter, 2012, Deutsch KREMAYR & SCHERIAU ISBN-10: 3218008336, ISBN-13: 9783218008334




Buchtipp: Katzenstreu

Katzenstreu
Erzählungen von Stefan Horvath
Verlag: edition lex liszt 12 (Februar 2007)


Stefan Horvath begegnet in „Katzenstreu“ dem Terror des 4. Februar 1995, einem Attentat, bei dem vier Roma aus Oberwart in der Steiermark ihr Leben verloren, darunter einer seiner Söhne. In der bildreichen Erzähltradition der Roma findet er einen Weg, die Sprachlosigkeit des Grauens zu überwinden. Er nähert sich dem Trauma in szenischen, mitunter poetischen Sequenzen und schlüpft in mehrere Rollen – die des Täters, des Beobachters, des Opfers. „… Ich war sehr schweigsam, bis mich das junge Romamädchen fragte, warum ich nicht reden wolle. Ich erzählte ihr vom Titel des neuen Buches, erzählte ihr von ‚Katzenstreu' und dass ich nicht wüsste, warum mir gerade dieser Titel eingefallen sei. Das Romamädchen antwortete, dass der Sockel der Bombe von 1995 aus einem Katzenklo gefertigt worden war.

„In dem Brief an einen Unmenschen schreibt Stefan Horvath dem Franz Fuchs, was dessen Eltern, zwei einfache Bauern in der Südsteiermark, über ihn gedacht und gesprochen und gemutmaßt haben könnten; was eine Wirtshausrunde in der österreichischen Provinz über seine Taten gesagt haben könnte, gängige Vorurteile und unterm Mantel des gesunden Menschenverstandes versteckte Ressentiments; und wie ein Rom in seinem Zimmer jahrelang nicht schlafen konnte, weil er Nacht für Nacht jene Bombe detonieren hörte, die für ihn wie die Siedlung eine Zäsur sondergleichen darstellte; wie er Nacht für Nacht vom Mörder heimgesucht wurde und sich unentwegt fragte: Warum? Das ist die Frage, die Stefan Horvath umtreibt, und ein Trauma: Wie kommt ein Ingenieur aus der Südsteiermark dazu, Roma in Oberwart zu töten? Warum tötet einer seinen Sohn, den er nicht einmal kannte? Vier Menschen – und Roma heißt nichts anderes –  hat Franz Fuchs ermordet. Er hätte sich, das darf man annehmen, über mehr gefreut. Der dicke Brief des Stefan Horvath, der über ein Jahrzehnt später zu lesen ist, ist auch und nicht zuletzt Selbsttherapie mittels Schreiben. Was in der Psychoanalyse Durchquerung des Phantasmas heißt, versucht er schreibend und in eigener Gedanken- wie Bilderarbeit zu leisten. Indem Horvath die Bombe und die vier Toten aus verschiedenen Perspektiven umzingelt, versucht er der Wahrheit eines konkreten Moments und dessen, was dahin führte, näher zu kommen“ Clemens Berger, die Presse
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Buchtipp: Annie, weißt du noch ...

Annie, weißt du noch ...
von Lèo Bardon, VAT Verlag Andre Thiele, 2012

Lèo Bardon will in seinem Buch nicht – auch nicht unterschwellig – fachsimpeln, sondern schildert subjektiv, was er mit der Schauspielerin Annie Girardot seit ihrer Erkrankung an Demenz erlebt hat, was er dabei empfunden und gedacht hat sowie er seine Einstellung und sein Verhältnis zur Krankheit beschreibt.
Manchmal gerät er hierbei an den Rand der „Nabelschau“, wobei er mit seinen Schwächen kokettiert. Man sieht es ihm nach, denn insgesamt ist sein Buch ergreifend und ermöglicht dem Leser weitest gehendes Nachempfinden. Und dies nicht nur seine Gefühlslage betreffend, sondern auch und vor allem die der Annie Girardot.
Es geht um die Bedeutung von Identität, um Gefühle wie Leere, Halt- und Schutzlosigkeit, um Ohnmacht und letztlich auch um die Aussichtslosigkeit und Begrenztheit des Verleugnens.

„Auch wenn Lèo Bardon vom Schicksal Annie Girardot´s an Demenz erkrankt zu sein schreibt, so bleibt dem Leser am Ende der Lektüre nicht nur die Demenz haften, sondern es ist v.a. die Persönlichkeit Annie Girardots, die man auf jeder Seite kennenlernt.  Monika Helf, migmag


Sie, das ist die Schauspielerin Annie Giradot, die zwar noch von dieser Welt, aber schon auf der Reise in ein fremdes, grausames Land ist, das das vorzeitige, rasante, vollständige Vergessen bereithält: Alzheimer.

Buchtipp: Aussicht auf eigene Schatten

Aussicht auf eigene Schatten von Chirikure Chirikure


„Einer der wenigen Dichter, die in einer afrikanischen Sprache schreiben und trotzdem international wahrgenommen werden. Ein mehrsprachiger Band (Shona, Englisch und Deutsch) voller rhythmischer Gedichte, deren Thematik von Mythen bis hin zu Maschinengewehren reicht; eine Stimme, die eigen und anders ist. (Ilija Trojanow in der NZZ)


Dreisprachige Ausgabe. Aus dem Englischen von Sylvia Geist. Verlag Das Wunderhorn

Buchtipp: Bis an die Grenzen

Bis an die Grenzen von Fabien Didier Yene: (Kamerun/Marokko)


Chronik einer Migration.

Ein Buch von höchster Aktualität ist Fabien Didier Yenes Chronik einer Migration, wenn über die Wiedereinführung der europäischen Binnengrenzen diskutiert wird, um Flüchtlinge von der Festung Europa fernzuhalten. Geschrieben von einem direkt Betroffenen, ist es ein einzigartiges Dokument über die unmenschlichen Konsequenzen der europäischen Abschottungspolitik.
„Europa, das gelobte Land – dort will der Autor hin und erzählt uns seine Geschichte einer Migration: vom Durchqueren der Wüste, von den Methoden der Schlepper, der allgegenwärtigen Angst vor Entdeckung, vom Scheitern und immer neuen Versuchen, endlich auf der „Zielgeraden“ anzukommen. Von verlorenen Illusionen, aber auch von Hoffnung, Freundschaft und Solidarität“, von Anita Djafar


Aus dem französischen Typoskript von Beatriz Graf. Drava Verlag

Buchtipp: Herr der Krähen

Herr der Krähen (Kenia/USA) 
von Ngugi wa Thiong’o.

Ngugi wa Thiong'o schildert die fiktive Geschichte eines despotischen afrikanischen Staates geformt als fantastische Parabel, als eine Operation am offenen Herzen von Weltwirtschaft und Weltpolitik. Ein Roman, der aufs Ganze zielt.

„Es schien, als hätte sich der Körper des Herrschers wie ein Ballon aufgebläht, sein Körper wurde immer aufgedunsener, ohne dass sich die Proportionen der einzelnen Körperteile veränderten. Dr. Wilfred Kaboca, der ihn als Erster untersuchte, rief sofort nach Machokali als Zeugen für seine Behandlung des Kranken. Machokali seinerseits rief alle anderen Minister einschließlich der Sicherheitsleute herbei, die entgeistert vor diesem unheimlichen Anblick standen. Der Herrscher stand offenbar nicht nur kurz vor dem Platzen, er hatte auch seine Fähigkeit zu sprechen verloren.“


Aus dem Englischen von Thomas Brückner. A1 Verlag

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