Neue Projekte: Das Nachhilfe-Projekt - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Neue Projekte: Das Nachhilfe-Projekt

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Neue Projekte

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Interview mit Yusuf Pence
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Thema: Das Nachhilfe-Projekt


"Die Eltern im türkisch-islamischen Verein reagierten unglaublich positiv" ...


Migration Integration in Deutschland und Migranten - das Nachhilfeprojekt


Yusuf Pence (33) kam vor 23 Jahren mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland. Heute lebt er mit seiner Familie in Heidenheim und engagiert sich in der Kommunalpolitik, im Türkisch-Islamischen Verein und ist Abteilungsleiter in einem Heidenheimer Unternehmen.

migmag:
Herr Pence, Sie sind in der Türkei geboren und gehören laut Thilo Sarrazin zu den Menschen, die Deutschland abschaffen werden?
Yusuf Pence:
Es ist traurig, was Herr Sarrazin von sich gibt. In bin über das Bildungsniveau eines Vorstands der Deutschen Bundesbank enttäuscht (Thilo Sarrazin trat kurz nach dem Interview von seinem Vorstandsposten zurück/Anm. der Redaktion). Er hat nicht die Bildung, die man sich wünscht.

migmag: Erzeugt die öffentliche Diskussion keine Wut bei Ihnen?
Yusuf Pence:
Ich bin froh, dass eine Diskussion angestoßen ist und Migranten zeigen können, welches Potenzial sie besitzen. Herr Sarazzin soll mal Neukölln verlassen und unsere Projekte in Heidenheim oder anderen Städten anschauen.

migmag:
Am 18. September beginnt Ihr Migrations-Projekt "Deutschkurs für Grundschüler". Was hat Sie für dieses Nachhilfe-Projekt motiviert?
Yusuf Pence:
Ich kam 1987 mit elf Jahren aus einer ländlichen Gegend in der Türkei nach Heidenheim, meine Eltern sprachen wenig Deutsch. Ich lernte mein Deutsch beim Spielen mit Nachbarskindern und zuhause im deutschen Fernsehen. Abends musste ich auf Deutsch nacherzählen, was ich gesehen habe. Da war viel Mischmasch dabei. Als ich nun in den Vorstand des Türkisch-Islamischen Kulturvereins gewählt worden bin, wurde ich gefragt: Was kannst du uns geben?

migmag:
Was können Sie geben?
Yusuf Pence:
Das Nachhilfe-Projekt. Zwei Studierende an der Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd beginnen damit, acht Schüler mit türkischem Migrationshintergrund der dritten und vierten Klasse zu unterrichten. Der Schwerpunkt liegt darauf, Grundschüler und Hauptschüler  zu fördern, um  damit rechtzeitig eine bessere Integration in die Bildungsstätten zu ermöglichen. Der Heidenheimer Oberbürgermeister Bernhard Ilg war von der Nachhilfe-Idee begeistert und organisierte für uns Räume im Rathaus. Der pensionierte Schulleiter Erhard Lehmann bringt die Erfahrung aus seiner Lehrerlaufbahn ein und begleitet das Projekt.

migmag:
War es schwierig Kinder für Ihren Kurs zu gewinnen?
Yusuf Pence:
Die Eltern im türkisch-islamischen Verein reagierten unglaublich positiv. Den Aushang am Schwarzen Brett musste ich nach kurzer Zeit abnehmen, weil wir keinen Platz mehr vergeben konnten. Ein über 70jähriger Mann aus dem Verein bot sofort an, ehrenamtlich unsere Räume zu reinigen. Er sagte, er wolle auch einen Beitrag für unser Projekt leisten. Das Rathaus hat aber einen Reinigungsdienst.

migmag:
Lange Zeit sprachen Soziologen von der Parallelgesellschaft, in die sich viele Türken zurückgezogen hätten.
Yusuf Pence:
Viele türkische Eltern haben verstanden, dass die Chancen ihrer Kinder zur Integration in Deutschland steigen, wenn sie Deutsch schreiben und lesen können.

Migration, Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - Projekt Nachhilfe - ein Interview mit Yusuf Pence
Migration, Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund - Nachhilfe für türkisch islamische Kinder

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migmag: Bildungsangebote für Migranten gibt es schon seit vielen Jahren. Deren Besucherzahl ließ oft zu wünschen übrig. Was haben Sie anders gemacht?
Yusuf Pence:
Lange Zeit wurde an den Eltern vorbei informiert. Viele Mütter lesen keine Lokal-Zeitung, die Väter arbeiten und verbringen den Abend in der Familie. Wir müssen die Eltern dort abholen, wo sie sich austauschen, also zum Beispiel bei uns im Verein.

migmag:
Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Migranten in Deutschland?
Yusuf Pence:
Deutschland muss verstehen, dass wir dazugehören. Migranten sind nicht dumm. Sehr viele sind hungrig danach, Deutschland mit voranzutreiben.

migmag:
Am 8. Oktober spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen die Türkei. Wem drücken Sie die Daumen?
Yusuf Pence:
Das wird schwer. Meine Kinder fiebern für Deutschland, meine Frau interessiert sich nicht für Sport. Und ich, ich hoffe auf ein Unentschieden.

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Maren Becker


Kommentare (1)
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Hasan Cildir, 23. 12. 2010

"Überall in der BRD wird ein längeres gemeinsames Lernen eingeführt - eine Schule für alle. Kein Kind ist überflüssig, jedes Kind muss nach seinen individuellen Fähigkeiten gefördert werden und den solidarischen Umgang mit anderen lernen, auch mit Behinderten. Chancengleichheit für alle ist keine Gleichmacherei, aber Aussortieren mit zehn oder elf Jahren reinste Willkür.
Wir brauchen eine wohnortnahe Gemeinschaftsschule, als ersten Schritt bis zur 6. Klasse. Dann bis zur 10. Klasse mit dem Realschulabschluss als Regelabschluss, damit alle Schüller eine Chance auf eine Lehrstelle bekommen. Kinder aus Migrantenfamilien brauchen besondere Aufmerksamkeit und Förder-möglichkeiten, als ersten Schritt integrative Sprachprogramme (Deutsch und Muttersprache) vom Kindergarten durchgängig bis zum Abitur. Es ist ein Skandal, dass diese Kinder mit guten Chancen auf der Strecke bleiben!"

 
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