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Projekt Japan und die children refugees republic

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Japan und die children refugees republic

migmag - Hilfe für Flüchtlinge
migmag - Hilfe für Flüchtlinge in Japan
migmag - Hilfe für Flüchtlinge: Ein altes Schulhaus wird zum Übergangszuhause


Liebe Freunde von migmag,


in diesen Tagen erhielten wir Nachrichten von den Filmemachern Werner Penzel und Ayako Mogi, die mit ihrer Familie auf der Insel Awaji Shima bei Osaka leben.

Die beiden Künstler, die bis 2009 in der Schweiz lebten, leben heute mit ihrer Familie auf der Insel in einem ehemaligen Schulhaus. Sie unterstützen nach der Katastrophe in Japan heimatlos gewordene Menschen oder Familien, die ihre Kinder vor der Strahlung aus Fukushima schützen wollen. Einen Eindruck von  nomadomura finden Sie >>> hier


Werner Penzel schrieb vor Tagen: "vorgestern und gestern kamen die ersten familien aus dem norden, heute folgen weitere. am nachmittag haben wir einen termin bei der provinzregierung in kobe - wir wollen sie motivieren, einen aufruf zu machen, die leerstehenden bauernhäuser in den hügeln der insel den zunehmend aus dem norden flüchtenden zur verfügung zu stellen, unsere kapazität flüchtende aufnehmen zu können, wird bald erschöpft sein.
wir wollen hoffen, dass das allerallerallerschlimmste doch noch verhindert werden kann da oben in fukushima in den nächsten 48 stunden - wenn nicht, wirds wohl zu einem noch unabsehbar grösseren exodus kommen..."


Fotos:
©Ayako Mogi

migmag - Hilfe für Flüchtlinge: Kinder im Schulhaus
migmag - Hilfe für Flüchtlinge: Abwechslung in der Schule
migmag - Hilfe für Flüchtlinge: Kinder lernen

Die Bilder aus dem Schulhaus vermitteln einen Eindruck von der "children refugees republic".



Nachtrag von Werner Penzel vom 25. Juli 2011


Liebe Freunde,

gut vier Monate sind nun schon wieder vergangen, seit wir alle aufgewacht sind mit den Bildern von der Verwüstung grosser Teile der nordjapanischen Küste in Tohoku - wenig später obendrein erschreckt von den zunehmend ausser Kontrolle geratenden Atomreaktoren von Fukushima.

Nachdem wir es hier schlicht nicht mehr aushalten konnten vorm Fernseher, beschlossen wir spontan unsere Kunstprojekte erstmal zu vergessen, und die ehemalige Grundschule, in der wir seit nunmehr fast zwei Jahren mit unseren Kindern leben, zu öffnen für alle, die sich und ihre Kinder vor bestehender und möglicher nuklearer Kontamination in Sicherheit bringen wollen.
Innerhalb kürzester Zeit waren unsere 700qm Raum überfüllt. Gleichzeitig entschlossen sich unsere guten alten Freunde Christina Muser in der Schweiz und Benjamin Heisenberg in Deutschland genauso spontan Spendenkonten für Japan einzurichten.

Dank der Aufmerksamkeit und des Mitgefühls von so vielen von Euch, die wir zum grössten Teil gar nicht mal persönlich kennen, konnten wir in den vergangenen Wochen und Monaten verschiedene Hilfsinitiativen von japanischen Freunden im Norden mit Eurer Hilfe tatkräftig unterstützen. Wir haben Euch, soweit wir e-mail-adressen hatten, davon zwischendurch berichtet.
Grossen herzlichen Dank an Euch alle also nochmals für die Freude, die ihr uns, den bei uns untergekommenen Familien, und vor allem den Menschen im Norden Japans mit Euren Spenden gemacht habt, und das Gefühl der Hoffnung, von der Welt nicht vergessen zu sein, wenn man, wie so viele, alles verloren hat, und nicht einmal mehr zurück kann ins Dorf oder die kleine Stadt der Ururgrosseltern, um wieder aufzubauen, was zerstört wurde, weil ganze Landstriche mittlerweile so heftig radioaktiv verseucht sind, dass sie für lange, lange, lange Zeit für Menschen und Säugetiere unbewohnbar geworden sind.

Wir werden uns nun, nach vier Monaten, in denen wir ungeplant aber mit grosser Freude zu einer kleinen unorthodoxen Hilfsorganisation geworden sind, wieder unseren künstlerischen Aktivitäten, unserem "normalen" Alltag zuwenden, und haben Christina und Benjamin gebeten, die Spendenkonten in der Schweiz und in Deutschland zum Monatsende Juli zu schliessen.

Da viele der Familien, die hier im Nomadomura mit ihren Kindern in der "children refugee republic" in den ersten Wochen nach der Reaktorkatastrophe Unterschlupf gefunden und neuen Mut geschöpft haben, aus Dankbarkeit monatlich einen Teil ihres Einkommens weiterhin den Hilfsinitiativen unserer Freunde für die am härtesten betroffenen Menschen im Norden zukommen lassen möchten, bleibt das japanische Spendenkonto weiterhin aktiv.

Zum Ende dieser Zeilen möchte ich Eure Aufmerksamkeit auf die Situation in Ostafrika lenken, und habe in diesem Zusammenhang  die Rede des Schweizer
Menschenrechtsbeauftragten der Vereinten Nationen, Jean Ziegler, angehängt. Jean Ziegler war eingeladen, die diesjährige Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele zu halten. Er wurde wieder ausgeladen - offiziell mit der perfiden Begründung seiner angeblichen Nähe zum Diktator Muammar Gaddhafi - in Wirklichkeit aber auf Druck von diversen Sponsoren der Festspiele wie Nestlé, etc.

Zu der Freude am Leben und am Helfen, die uns alle verbindet, gehört, denken wir, auch ein Quantum gemeinsamer Wut über die nach wie vor himmelschreienden Verhältnisse auf dieser Welt.


Mit den besten Wünschen für Euch alle
und lieben Grüssen

Eure Ayako Mogi & Werner Penzel mit Lina und Sayo

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