Sprache und Migration - Theaterstück Moschee.de - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Sprache und Migration - Theaterstück Moschee.de

_______________________

Sprache und Migration
_______________________



Ein Theaterstück, zwei Schauplätze


Das Theater der Stadt Aalen inszeniert das Stück MOSCHEE.DE in einem unaufgeregten Umfeld


Sie habe sich das Stück durchaus etwas kontroverser gewünscht, sagt Katharina Kreuzhage, Intendantin am Theater der Stadt Aalen. Doch MOSCHEE.DE von Robert Thalheim und Kolja Mensing sei genau das Stück gewesen, das zur aktuellen Situation in der Kleinstadt in Baden-Württemberg passte, sagt sie. Am Stadtrand von Aalen, in unmittelbarer Nähe des Theaters realisierte die DITIB Gemeinde den Bau einer Moschee. Dies ist in Zeiten einer Gesellschaft, die sich offen zum Umgang mit dem Islam bekennt, nichts Außergewöhnliches mehr. Moscheen gehören in das Stadtbild vieler deutscher Städte. Sie sind fester Bestandteil einer aufgeklärten Gesellschaft.


Doch es gibt freilich trotzdem Unterschiede dabei, wie Kommunen mit dem Entstehen und der Existenz der religiösen Orte umgehen. Dies zeigt ein Beispiel in Berlin. Auf einem brach liegenden Grundstück im Stadtteil Heinersdorf plant die Ahmadiyya-Gemeinde im Jahr 2006 den Bau der Khadija-Moschee.


Doch es gibt freilich trotzdem Unterschiede dabei, wie Kommunen mit dem Entstehen und der Existenz der religiösen Orte umgehen. Dies zeigt ein Beispiel in Berlin. Auf einem brach liegenden Grundstück im Stadtteil Heinersdorf plant die Ahmadiyya-Gemeinde im Jahr 2006 den Bau der Khadija-Moschee. Es ist die erste neu erbaute Moschee in Ostdeutschland. Der geplante Bau liegt zwischen zwei Autobahnausfahrten und löst massive Streitereien und Protest-Aktionen aus. Aufgebrachte Anwohner schließen sich in einer Bürgerinitiative zusammen, Lokalpolitiker und Neonazis demonstrieren Hand in Hand gegen den geplanten Bau. Schließlich werden Brandsätze gelegt. Der Theatermacher Robert Thalheim erlebt die Auseinandersetzungen aus unmittelbarer Nähe. Er nimmt diesen realen Fall zum Anlass, sich auf eine Forschungsreise in den deutschen Alltag zu begeben und mit Autor Kolja Mensing das Theaterstück MOSCHEE.DE zu verfassen.


Thalheim interessieren die Geschichten im Umfeld der Moschee. Was für Menschen verbergen sich hinter den Schlagzeilen und reißerischen Fernsehberichten über den vermeintlichen Kampf der Kulturen? Thalheim und Mensing bringen fünf Figuren, fünf Charaktere, auf die Bühne: Den pakistanischen Imam und den deutschen Konvertiten, eine „Zugezogene" die eine Toleranz-Initiative gründet; den Vorsitzenden einer Vereinigung, die erklärte Moscheegegner um sich schart, und den Pfarrer, der zwischen allen Stühlen sitzt. Im Februar 2010 wird MOSCHEE.DE am Schauspiel Hannover uraufgeführt. Der umstrittene reale Schauplatz der Handlung ist da längst eingeweiht; Berliner Politprominenz pilgert zur Eröffnung. Der einstige Konflikt ist beigelegt.

Ähnliches geschieht in Aalen. Die lokale Verwaltung zeigt sich beeindruckt vom größten Sakralbau der Stadt. Kritik und Diskussionen bleiben leise und zurückhaltend. Ob es an der Größe der Stadt liegt oder vielleicht an den scheinbar weltoffenen Menschen? „Die Stadt“, sagt Regisseurin Kreuzhage, „hat die Angelegenheit sehr gut moderiert.“ Offene Konflikte bleiben aus. Der frühere Aufreger „Moscheebau“ hat sich zu einer selbstverständlichen Sache entwickelt. Im Oktober 2011 feierte das Theater der Stadt Aalen die Premiere des prämierten Stückes MOSCHEE.DE. Was die Zuschauer aus dem Stück mitnehmen können? „Theater ist keine moralische Anstalt“, sagt Katharina Kreuzhage. Es sei schon viel erreicht, wenn die Zuschauer nach der Aufführung das Theater mit Stoff zum Nachdenken verlassen.

___________________
07.02.2012 Maren Becker

_______________________________________________________________________________________________________________________________________________

Moschee DE« wurde mit dem Kulturpreis der Ev.-luth. Landeskirche Hannover ausgezeichnet und zum Heidelberger Stückemarkt 2010 sowie zum 2. Interkulturellen Festival MADE IN GERMANY nach Stuttgart eingeladen.


> Theater der Stadt Aalen


Fotos: ©Marcel Diemer
Schauspieler: Stephan Weigelin, Claudia Sutter, Alexander Wilß, Max Rogland, Hendrik Pape

_______________________________________________________________________________________________________________________________________________


Die Chronik
des Moscheebaus der Ahmadiyya-Gemeinde in Berlin-Heinersdorf


März 2006: Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde kauft in Berlin-Heinersdorf ein brach liegendes Grundstück, um dort eine Moschee zu errichten.


Bei einer Bürgerversammlung in der Turnhalle kommt es zu „tumultartigen Protesten" der Anwohner.


Moscheegegner gründen im April 2006 die „Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger" (IPAHB). Gleichzeitig ruft die NPD zu Demonstrationen im Ort auf.


Angehörige der linken Szene verüben im Sommer 2006 einen Brandanschlag auf das Haus eines CDU-Kreisvorsitzenden, der an den NPD-Märschen teilgenommen hat.


Als Gegenbewegung zur IPAHB gründet sich im November 2006 die Toleranz-Initiative „Heinersdorf, öffne dich".


Die Baugenehmigung für die Moschee in Pankow-Heinersdorf wird im Dezember 2006 erteilt.


Die Grundsteinlegung der Khadija-Moschee folgt im Januar 2007.


Im April 2007
wird auf dem Gelände der Moschee-Baustelle ein Kipplaster in Brand gesteckt. Die Täter werden im rechten Umfeld vermutet.

Weitere Demonstrationen der Moscheegegner in Pankow folgen im Juni 2007.


Im Juli 2008 beschmieren Unbekannte die Kuppel der Moschee mit rechtsradikalen Parolen und Symbolen.


Eröffnet wird die Moschee feierlich im Beisein von Berliner Politprominenz im Oktober 2008. Vor dem Moscheegelände demonstrieren rechtsradikale Jugendliche und Heinersdorfer Bürger.


Anwen Roberts / taz vom 1. März 2011

Am 27. Februar 2010 wird MOSCHEE.DE von Robert Thalheim und Kolja Mensing am Schauspiel Hannover uraufgeführt


Am 15. Oktober 2011 feiert das Theater der Stadt Aalen die Premiere von MOSCHEE.DE

_____________________

Kommentar abgeben
_________________________

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü