Umgang mit Migranten - Die Sprache der Jugendlichen - Migration Integration und Migranten migmag Kulturmagazin

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Umgang mit Migranten - Die Sprache der Jugendlichen

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Umgang mit Menschen

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Migration, Integration in Deutschland, Migranten und Migrationshintergrund: Ein Imbisswagen als sozialer Treffpunkt




Die Sprache der Jugendlichen


Es ist der erste Samstagabend in den Schulferien. Der kleine Imbisswagen hat noch einmal seine Flügeltüren aufgeschlagen. Das Angebot winkt in großen Lettern: Kaffee auf der linken, Hot Dog, Pommes und Crepes auf der rechten Seite. In der Mitte füllt Lana Gevorkjan aus Georgien warme Gyrostaschen. Mit ihrem Mann Gagik betreibt sie seit bald einem Jahr den kleinen Imbiss in der Stadtmitte für die Sambo-Abteilung des Heidenheimer Sportbundes (hsb). Es ist das erste Unternehmen für beide, es ist eine Chance für eine neue Existenz und es ist die Chance für die Stadt geworden, Konflikte an diesem nüchternen Ort zu befrieden.

Ein letztes Mal noch in dieser Saison hat das Ehepaar den Verkaufsstand geöffnet, hier an der Zentralen Omnibushaltestelle (ZOH) in Heidenheim. Es ist ruhig. Um zwei Stehtische gruppieren  sich Freunde. Alle stammen aus Osteuropa. Der drahtige Abdula Keller aus Dagestan, Oleg Boroday aus der Ukraine und seine Freundin Victoria Spravbic aus Moldawien. Sie sprechen Russisch. Sie sprechen Deutsch. Sie sprechen die Sprache der Jugendlichen, die hierherkommen um auf den nächsten Bus zu warten oder Freunde zu treffen um in die Stadt weiterzuziehen.
Eduard Marker aus Kasachstan bestellt eine Cola. Vor einem Jahr hat sein Kampfsportverein, die Abteilung Sambo des hsb, den Imbiss am neu geschaffenen Busbahnhof übernommen. Die Zentrale Omnibushaltestelle galt lange Zeit als sozialer Brennpunkt in der Stadt. Bürgermeister Rainer Domberg erklärte damals bei der Eröffnung der Wurstbude, dass rivalisierende Jugendgruppen das ZOH Areal besonders zu nächtlicher Zeit zu einem unsicheren Ort gemacht haben. Schüler einer Hauptschule brachten dann die Idee des mobilen Imbisswagens, der neben Essen auch für Sicherheit am ZOH sorgen sollte, in die Öffentlichkeit. Eduard Marker hob den Finger und bekam den Zuschlag und das Ehepaar Gevorkjan mit dem Imbiss-Betrieb eine Chance.

Jeden Freitag und Samstag be-treuen zwei Mitglieder des Kampf-sportvereins die Haltestelle bis spät in die Nacht. Sie tragen Sorge, dass Konflikte vermieden und am Ort ein Gefühl von Sicherheit erlebbar ist. "Am Anfang war es nicht leicht", sagt Abdula Keller. Die Jugendlichen wussten mit den fremden Männern an der Imbissbude nichts anzu-fangen. "Was wollen die hier?" Die Männer waren einfach da.
Einmal hatte ein Mädchen sich aus Liebeskummer die Pulsadern auf-geschnitten, ein Junge sich mit anderen schlägern wollen.

Die Männer waren da und halfen ihnen. Im Lauf der Zeit begriffen die Jugendlichen, dass Abdula Keller nicht nur Weltmeister im waffenlosen Kampfsport Sambo ist und mit zwei Griffen Streitigkeiten elegant entschärfen kann, sondern auch, dass er zuhört. Und dass er ihnen das Gefühl gibt, dass jemand da ist - und teils spät in der Nacht.
Heute sind sie in Heidenheim froh, dass sie den Imbisswagen an die Haltestelle gestellt haben, dass die kleine Kampfsportabteilung das Vertrauen der Jugendlichen errungen hat und dass im September Lana und Gagik Gevorkjan die Flügeltüren des Wagens wieder  aufschlagen werden und zeigen, dass die Welt eine große und Vertrauen besser als Angst ist.

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Maren Becker

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